David Hirschmann - 02.07.2018

Danke, Hvala, Jure Jevsenak!

 

Mit seinem Abschiedsspiel gegen den GAK 1902 hat Jure Jevsenak den TUS Teschl Heiligenkreuz am vergangenen Samstag als Spieler verlassen. Seinem Klub und dem Fußball bleibt unser jahrelanger Kapitän aber trotzdem treu.

 

Es gibt Momente im Fußball, die man nicht so schnell vergisst. Als Fan, als Funktionär, als Trainer und ganz besonders als Spieler, wenn man mittendrin ist. Einer dieser Momente für Jure Jevsenak war bestimmt am 2. Juni 2012. Der TUS Heiligenkreuz siegte knapp aber letztlich verdient mit 3:2 gegen Ilz und war somit Meister der Oberliga Süd-Ost. Eine sensationelle Geschichte hatte vorerst ihren Höhepunkt erreicht. Fünf Jahre davor hatte der damals 22-jährige Jure Jevsenak seinen ersten Auftritt im Heiligenkreuzer Dress absolviert. Der junge Slowene war vom SV Güssing im Burgenland ins Stiefingtal gewechselt. Das war gleichzeitig der Start eines unglaublichen Erfolgslaufs unseres TUS, denn in den kommenden fünf Jahren folgten drei Meistertitel und somit der Durchmarsch von der Gebietsliga Süd bis in die steirische Landesliga. Bis also an jenen 2. Juni 2012. Einen großen Anteil am Erfolg hatte eben u.a. Jure Jevsenak.

 

Jure Jevsenak wurde am 16. Februar 1985 geboren. Von Klein auf war der Fußball das Lieblingsspielzeug des kleinen Jure und so führte sein Weg zum NK Zeleznicar Maribor. Das Talent des zentralen Mittelfeldspielers blieb nicht unbemerkt und so ging es im Jahr 2004 los mit den fast täglichen Autofahrten über die Grenze nach Österreich. Die zweite Mannschaft des TSV Hartberg hatte sich Jures fußballerische Dienste gesichert. Von dort wechselte der Slowene nach einem Jahr weiter nach Güssing und wiederum eineinhalb Jahre später dann schließlich eben zu uns nach Heiligenkreuz am Waasen. Dass das zwischen Jure und der Stiefingtalmetropole eine so schöne sportliche Liebesgeschichte werden würde, konnte damals natürlich noch niemand ahnen.

 

324 Einsätze und 131 Tore später – so haben wir es zumindest vom Steirischen Fußballverband übermittelt bekommen – sind wir um einiges schlauer. Jures Lieblingsverein, natürlich abgesehen vom TUS Heiligenkreuz, ist Real Madrid. Und eben an genau zwei der großen Stars bei den Königlichen erinnert uns die Spielweise von Jure Jevsenak. Luka Modric und Toni Kroos: Egal ob am Anfang in der Gebietsliga oder später in der Landesliga, Jure brachte konstant starke Leistungen. Ja, er passte sich problemlos an jede Liga an. Neben dem Spielfeld ist der 33-Jährige ein ruhiger, fast schüchterner Typ. Auf dem Platz nicht, da war er mit seinen ehrlichen und offenen Worten, sowie seinen filigranen Pässen immer der perfekte Regisseur und Kapitän für unsere Gelb-Schwarzen. Dazu kommen unzählige Assists und wie schon erwähnt auch eigene Treffer. In der ersten, der inzwischen schon sechs Spielzeiten in der Landesliga, schoss sich Jevsenak mit 13 Toren sogar zum Torschützenkönig und wurde von LIGAPORTAL zum Spieler der Saison gekürt.

 

Ganz besonders in Erinnerung bleibt uns ein Satz gegenüber unserem Media-Team zu Beginn der letzten Saison: "Wenn wir gewinnen, könnt ihr die anderen Spieler zum Interview holen, wenn wir verlieren, dann komme ich zu euch", so der Capitano. Aufgrund der Tatsache, dass wir unsere beliebten After-Match-Interviews nur bei Heimspielen abhalten und uns diese in der Spielzeit 2017/18 bekanntlich fast immer Freude bereitet hatten, blieb der lebenden Vereinslegende der Weg zu unserer Kamera meistens erspart. Zudem fehlte Jure Jevsenak in seinem elften Spieljahr im gelb-schwarzen Dress leider so häufig, wie nie davor. Der Grund war eine erhöhte Verletzungsanfälligkeit, die den Heiligenkreuzer Kapitän schließlich auch zum Nachdenken über seine fußballerische Zukunft brachte.

 

Denn für Jure gibt es auch noch etwas Wichtigeres und viel Schöneres als Fußball: Seine Familie. Mit Ehefrau Urska hat er zwei bezaubernde Töchter, mit denen er ab sofort noch mehr Zeit verbringen möchte. Dazu kommt sein liebevoll gestaltetes Cafe "Kavarna Luna" in Maribor, das Jure selbst führt. Bevor er die Fußballschuhe aber ganz an den Nagel hängen wird, wechselt er jetzt zum Ausklang seiner großartigen Karriere noch zum TUS Paldau in die Unterliga Süd.

 

"Wieso hätte ich alle paar Jahre den Verein wechseln sollen, wenn ich mich hier wohl fühle und alles habe, was ich brauche?", hatte uns unser Capitano vor einiger Zeit gefragt. Jure Jevsenak, einer der wirklich gelb-schwarzes Blut in seinen Adern hat, der drei Mal mit dem TUS Heiligenkreuz Meister wurde, der sein Team als Kapitän am Feld anführte, der für seine Farben alles gab, bis es nicht mehr ging. Zumindest körperlich. Wir bedauern es zutiefst, unseren "Jure" nicht mehr am Platz im gelb-schwarzen Dress anfeuern zu können, freuen uns aber bereits darauf, ihn in Paldau spielen zu sehen, bei einem Ausflug in das schöne Maribor auf ein Getränk in sein Cafe vorbeizukommen und ihn hoffentlich das eine und andere Mal als Fan bei Spielen am Sportplatz Heiligenkreuz begrüßen zu dürfen.

 

DANKE, HVALA, CAPITANO JEVSENAK!